Glücklich trotz Konflikte – geht das überhaupt?

Mark und Rebecca sind seit 2 Jahren verheiratet und haben immer wieder Konflikte. In den letzten Wochen streiten sie sich immer wieder über die Ordnung innerhalb Ihrer neuen gemeinsamen Wohnung. Rebecca kann es nicht ausstehen, wenn Mark seine Klamotten abends im Schlafzimmer auf den Boden fallen lässt. Er hingegen findet das einfach nur praktisch. Schließlich räumt er die Sachen auch meistens am nächsten Morgen direkt weg. Die beiden haben schon einige Diskussionen darüber geführt, aber in letzter Zeit wird Rebecca richtig aggressiv bei dem Thema. Gestern hat sie Mark die Socken entgegengeworfen und ihm eine geknallt. Mark versteht nicht, warum seine Wäsche für Rebecca so ein großes Problem darstellt und wendet sich dann einfach von ihr ab. Rebecca versteht nicht, wieso Mark ihr Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit immer häufiger missachtet. Die beiden haben schon versucht Kompromisse zu finden, doch an die können sich beide irgendwie nie lange halten. Manche Konflikte in unserer Partnerschaft lassen sich einfach nicht durch einen Kompromiss lösen. Jedenfalls nicht so, dass wirklich beide zufrieden mit dem Kompromiss sind.

Bedeutet dies das Aus für die Beziehung?

Nein. Paarforscher John Gottman sagt dazu, dass zum Gelingen einer Beziehung nicht gehört, dass wir für alle Konflikte eine Lösung finden. Vielmehr ist entscheidend, wie wir mit unserem Partner über den Konflikt sprechen. Wie wir die Gegensätzlichkeiten annehmen können und Verständnis füreinander entwickeln.

Hierzu möchten wir Ihnen eine Übung vorstellen: DAS INNERE KONFLIKT-TEAM

  1. Schritt: Bei jedem Konflikt, den Sie verspüren, flüstern Ihnen verschiedene „Stimmen“ Argumente zu, die Sie davon überzeugen wollen, dass Sie im Recht sind. Benennen Sie Ihren Konflikt und hören Sie bewusst auf Ihre „Stimmen“.
  2. Schritt: Jede Stimme ist Team-Mitglied. Und jede Stimme vertritt ein Argument.
    Team-Mitglieder können beispielsweise sein:
  • Die Ordentliche: „Dreckige Wäsche räumt man in den Wäschekorb.“
  • Der Chaot: „Ordnung ist etwas für Pedanten und Schwächlinge.“
  • Die Mutter: „Sowas gehört sofort gemacht.“
  • Der Pragmatische: „Morgen früh musst du eh an den Kleiderschrank.“
  • Die Richterin: „Wer nicht hören will muss eben fühlen.“
  • Der Schlaue: „Verzieh dich lieber und widersprich ihr nicht, dann ist sie später bestimmt wieder lieb zu dir.“
  • Die Rebellin: „Das darfst du dir nicht gefallen lassen!“
  • Der Abenteurer: „Wenn ihr euch jetzt streitet, dann ist endlich mal wieder Action in der Bude.“
  • Die Liebende: „Verzeih ihm seine Unordentlichkeit.“

  Jede dieser Stimme will gehört und beachtet werden. Finden Sie daher erst einmal getrennt voneinander Ihre Team-Mitglieder für Ihren Konflikt.
Benennen Sie jeder mindestens 6 Team-Mitglieder mit passenden Beschreibungen/Begriffen und den jeweiligen Argumenten.
Anschließend wählen Sie den aktuellen Team-Kapitän aus. Das ist meist der, der Ihnen zuerst in den Sinn kommt.

  1. Schritt: Erstellen Sie nun eine Rangfolge der Team-Mitglieder nach Ihrer Bedeutung ihrer Aussage. Welchen Stimmen schenken Sie mehr Glauben als anderen? So erhalten Sie eine Rangfolge von 1 -6.
  2. Schritt: Sortieren Sie nun das Team um. Fragen Sie sich, wie Sie mit dem Konflikt besser zurecht kommen können und platzieren Sie Ihr inneres Team neu von Rang 1-6. Die Aufgabe des Team-Kapitäns übernehmen übrigens Sie selbst in diesem neuen Team.
  3. Schritt: Trinken Sie nun in Ruhe einen Tee und überlegen Sie sich, ob Sie nicht mit dieser neuen Team-Aufstellung ins nächste Spiel starten wollen.
  4. Schritt: (für Mutige) Tauschen Sie sich mit Ihrem Partner über Ihr altes und neues Team aus.

Konflikte zeigen uns unsere eigenen Baustellen auf

Wenn wir uns über ein Verhalten unseres Partners besonders stark ärgern, will uns unser Ärger auf etwas aufmerksam machen. Auf etwas, dass mit uns und weniger mit dem Verhalten unseres Partners zu tun hat. Rebecca fand für sich durch die Übung „Das innere Konflikt-Team“ heraus, dass sie beim Thema Ordnung der Stimme der Rebellin unbewusst die Funktion des Team-Kapitäns zukommen lassen hatte. Hierdurch versuchte die „Rebellin“ in ihr sich einen Ausgleich für die vielen Situationen in Rebeccas Leben zu verschaffen, in denen Rebecca sich viel zu viel hat gefallen lassen. Als Rebecca das erkannte, konnte sie sich wieder die Rolle des Team-Kapitäns zurück holen und entschied sich dafür, dass wieder die Liebende in ihr Herz einziehen konnte. Ihr wurde bewusst, dass sie mit Mark einen Partner hatte, der zwar immer mal wieder unordentlicher war als sie selbst, der ihr allerdings auch so viele andere Bedürfnisse erfüllte und sie wunderbar ergänzte.

Und auch Mark erkannte, dass in Konfliktsituationen sein inneres Team-Mitglied „Der Schlaue“ gar nicht wirklich so schlau war. Es war eher der Ängstliche, der sich wie in der Kindheit schon, nicht traute der Mama zu widersprechen. Stattdessen zog er sich in sein Zimmer zurück. Doch jetzt als erwachsener Mann holte auch sich die Rolle des Team-Kapitäns zurück und stellt nun sein Inneres Team immer mal wieder neu zusammen.

Seien SIE es sich wert!

Coaching & Paarberatung Kerstin Janzen