Auf ein Wort – von Mann zu Mann

Männer und Paartherapie

Sie sind ein Mann und halten nichts von Paartherapie? Dann geht es Ihnen so wie mir – vor Jahren. Denn da willigte ich nach langem Hin und Her ein, mit meiner damaligen Frau zu einer Paartherapeutin zu gehen. Und es bestätigte sich genau das, was ich befürchtet hatte. Ich wurde zum Sündenbock erkoren. Nur ich sollte an mir arbeiten und mich  ändern. Peng! Thema Mann und Paartherapie gegen die Wand gefahren.

Damit hätte ich meine Einstellung zur Paartherapie besiegeln und das Thema ad acta legen können. Unsere Ehe war jedenfalls damals tatsächlich am Ende. Doch meiner Einstellung zur Paartherapie wollte ich aus irgendeinem Grund noch eine weitere Chance geben.

Vielleicht, weil mich damals insbesondere die Vorgehensweise unserer Therapeutin so sehr ärgerte… Jedenfalls stürzte ich mich einige Zeit später selbst in die Ausbildung zum Paartherapeuten. Für mich stand fest: Wir Männer (und auch die Frauen) brauchen jemanden, der sie ernst nimmt und nicht das Spiel „Wer ist hier der Bösewicht?“ mit ihnen spielt und sich womöglich mit der Ehefrau gegen den Mann verbündet (oder mit dem Mann gegen die Frau)…

Durch meine eigene Erfahrung wusste ich nur zu gut, wie böse es sich anfühlt, nicht ernst genommen zu werden, den Stempel „nicht empathisch“ oder sogar „gefühlskalt“ auf die Stirn gedrückt zu bekommen und während der Therapie auch noch als Sündenbock quasi öffentlich vor der Therapeutin an den Pranger gestellt zu werden. Das wollte ich Männern ersparen!

Und so bin ich heute derjenige, der den Männern gegenüber sitzt, die genau so oder ähnlich denken wie ich damals und sich fragen: „Was soll ich hier eigentlich?“. Mann und Paartherapie kann das überhaupt kompatibel sein?

 

Ihre Bedenken sind berechtigt! Und es lohnt sich allemal ihnen – von Mann zu Mann – auf den Grund zu gehen!

Also machen Sie es sich bequem und lassen Sie sich überraschen, ob oder an welchen Stellen Sie sich wiederfinden. Und was ich als Mann und aus Sicht des Therapeuten zu unseren „Männer – Bedenken“ gegen eine Paartherapie zu sagen habe. Sie sind auch herzlich eingeladen mir Ihre Meinung zum Thema „Mann und Paartherapie“ entweder unten oder auch per E-Mail mitzuteilen. Ich freue mich auf eine rege Diskussion.

 

Mann und Paartherapie? Woran liegt es wohl, dass Männer den Weg zur Paartherapie meiden?

Sicher nicht am Mann allein… Hier nur drei der häufigsten Gründe, die uns Männer abschrecken:

  1. Ein Grund mag sein, dass wir überhaupt keine Notwendigkeit für eine Paartherapie sehen. Alles läuft doch. Zumindest aus unserer Sicht.


Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Die Frauen haben oft viel feinere Antennen für erste Anzeichen von möglichen Problemen. Das kann uns Männern dann schon mal mächtig auf den Geist gehen. Doch wenn unsere Frauen da eine besondere Fähigkeit besitzen, warum diese nicht für uns nutzen? Und zwar möglichst schon in einem frühen Stadium. Letztendlich lieben wir unsere Frauen und wollen doch, dass es auch ihr mit uns in unserer Beziehung geht!

 

  1. Ein weiterer Punkt könnte sein, wenn wir selbst erkannt haben, dass nicht alles im Lot ist, dass wir dann der festen Überzeugung sind: „Das renkt sich auch von alleine wieder ein“ oder „Das kriege ich schon alleine mit meiner Frau wieder hin“.

 

Ein oftmals trügerischer Irrtum. Und wenn wir ehrlich sind, wissen wir das auch. Es fehlt uns der Blick von Aussen. Und vielleicht auch etwas Handwerkszeug. Beziehungsarbeit ist gar nicht so schwer – sobald wir die richtigen Tools in der Hand haben. Und es kann viel Spaß machen gemeinsam wieder an einem Strang zu ziehen und wieder ein unschlagbares Team zu werden.

 

  1. Einige von uns haben vielleicht auch ein Problem damit, sich von einer (anderen) Frau (Therapeutin) etwas sagen zu lassen. Auch wenn es sich nur um Angebote oder einen Vorschlag zum Beispiel zur Änderung des eigenen Gedankenkonstrukts handelt. Für uns Männer fühlt es sich dann eben schnell an wie zwei gegen einen. Und das ist eine unfaire Ausgangslage, die sich auch Frauen nicht wünschen.

 

Wie wäre es, wenn Ihnen ein (Therapeuten-) Paar gegenübersitzt? Von Paar zu Paar lässt es sich einfacher und auch gleichberechtigt miteinander reden. Und jede Seite – die Ihrer Frau UND Ihre eigene – finden Berücksichtigung. So profitieren Sie von der unschätzbaren Möglichkeit, die eigene Perspektive erweitern zu können und die eigene Beziehung zu Ihrer Frau einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können.

 

Eine stimmige Gesprächskonstellation macht den entscheidenden Unterschied

Wir haben in unserer Praxis die Erfahrung gemacht, dass einige Männer zunächst lieber ein erstes kostenfreies Einzel – Kennenlerngespräch mit mir als männlichen Therapeuten bevorzugen (oder Frauen mit meiner Frau). Vielleicht weil  ein Mann den männlichen Standpunkt, die Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse aber auch Nöte und Ängste eines Mannes besser nachvollziehen kann als eine Frau.

Fragen Sie sich selbst, welche Gesprächsform Ihnen am angenehmsten wäre und erkundigen Sie sich dann bei uns oder einem anderen Therapeutenpaar nach Umsetzungsmöglichkeiten. Niemand – weder Frau noch Mann – sollte sich in den Gesprächen während einer Paartherapie klein oder schwach fühlen. Und wir Männer sollten unseren Tatendrang, unsere Männlichkeit unbedingt mit in die Gespräche einfließen lassen dürfen. Andernfalls entziehen wir unserer Partnerschaft oder Ehe die Möglichkeit, den besten Lösungsweg für uns beide zu finden. Weibliche Intuition und männlicher Tatendrang sind eine kostbare Kombination!

Männer spüren heutzutage sehr genau, ob ihre Beziehung in Schieflage gerät

Schön ist, dass immer mehr Männer zu uns kommen um sich zu informieren was alles möglich ist. In diesen Gesprächen zeigt sich dann immer wieder ein vollkommen anderes Bild von den Männern und dem Thema Mann und Paartherapie. Hier gilt dann nicht mehr das Vorurteil „Männer lehnen eine Paartherapie grundsätzlich ab“. Nein, ganz im Gegenteil. Männer wissen heute schon sehr genau, wenn sich Ihre Beziehung/Ehe in einer „Schieflage“ befindet oder es länger anhaltende Themen gibt.

Sie wissen nur meist nicht wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Berechtigterweise fühlen sie sich an der Situation nicht allein schuldig. Schuld ist übrigens ein Ausdruck, der meiner Meinung nach nichts in der Paartherapie zu suchen hat.  Anteile an Problemen oder Themen haben BEIDE Partner in einer Beziehung.

Es ist immer wieder toll mitzuerleben, wie sich eine Beziehung entwickelt, wie viel Nähe wieder entsteht, wenn beide erkannt haben, dass sie Unterstützung möchten.

Ich freue mich auf ein Wort von Mann zu Mann mit Ihnen. Nehmen Sie Ihre Bedenken gegenüber einer Paartherapie ernst und lassen Sie uns gemeinsam schauen, ob wir eine für SIE passende Gesprächsatmosphäre schaffen können, die Ihnen und Ihrer Frau ganz neue Möglichkeiten eröffnen kann.

Lassen Sie es sich wieder gut gehen …

Jörg Janzen

Coaching & Paarberatung Kerstin Janzen

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