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Sprich nicht so mit mir!

Am Anfang verstehen wir uns durch Blicke, durch Berührungen. Es braucht nicht viele Worte um zu wissen, zu diesem Menschen fühle ich mich hingezogen und von ihm fühle ich mich verstanden. Und dennoch… das gemeinsame Gespräch ist ebenfalls wichtig. Schon recht früh in der Verliebtheitsphase wollen wir mehr als nur Blicke und Berührungen. Wir wollen uns mitteilen, wollen genauer erkunden was für ein Mensch der andere ist. Und wir suchen nach Beweisen, dass unsere Gefühle, unsere Empfindungen richtig sind. Wir wollen Gewissheit, dass dies tatsächlich der oder die Richtige ist.

In dieser Verliebtheitsphase nutzen wir jede Möglichkeit, um dem Partner nahe zu sein und miteinander zu sprechen. Wir sind aufmerksam, liebevoll und neugierig. Bei wenigen Paaren hält diese wertschätzende Kommunikation ein ganzes Leben, bei den meisten nur relativ kurz. Wir gewinnen innerhalb unserer Beziehung mehr Sicherheit und werden unachtsamer im Umgang miteinander. Meist schleicht sich dann irgendwann die „Alltags-Kommunikation“ ein, bei der es hauptsächlich noch um den Alltag geht. Wer geht auf dem Nachhauseweg noch schnell einkaufen oder wer bringt den Müll runter?

Die gegenseitige Wertschätzung, das neugierige Zuhören und genauso das achtsame Reden bleiben irgendwie auf der Strecke. Und plötzlich hören wir uns selbst oder unseren Partner sagen: Sprich nicht so mit mir!“.

Eigentlich haben wir uns nichts mehr zu sagen…

Streitgespräche werden immer häufiger und zwar über Themen, die es normalerweise gar nicht wert wären darüber zu streiten. Und wenn Sie ehrlich sind, wissen Sie meist auch, dass diese Gespräche nur Nebenkriegsschauplätze sind. Der eigentliche „Krieg“ schwelt tiefer und bleibt vorerst noch unausgesprochen. Bis es richtig knallt. Und da Sie bereits innerlich schon jede Menge Rabattmarken in das Heft „Das werde ich dir irgendwann mal zurückzahlen“ geklebt haben, sind diese Eskalationen meist sehr verletzend. Für beide! Und so gehen Sie irgendwann auch diesen verletzenden Auseinandersetzungen aus dem Weg und dann ist der Zeitpunkt da, wo Sie beide desillusioniert von der Liebe feststellen, dass Sie sich nichts mehr zu sagen haben. Nichts liebevolles mehr aber auch keine Kritik mehr. Ihre Liebe scheint ausgebrannt zu sein.

In uns allen steckt ein wunderschöner Phönix

Viele Paare entscheiden sich an dieser Stelle für die Trennung, weil sie glauben, dass nichts mehr geht und nur jeder für sich den Weg zurück ins Glück finden kann. Hierdurch vergeben sich Paare leider eine der größten Chance im Leben. Die Chance Ihre Beziehung völlig neu zu entdecken und zu gestalten.

Neues kann immer erst entstehen, wenn altes losgelassen wurde. Die Redewendung „Wie ein Phönix aus der Asche“ steht für etwas, das schon verloren geglaubt war, aber in neuem Glanz wieder erscheint. der Phönix steht für das Symbol der Unsterblichkeit, da er die Fähigkeit hatte, sich zu regenerieren, wenn Feinde ihn verwundet hatten. Und genau solch ein Phönix lebt in uns allen. Wir haben alle – und ich meine damit wirklich uns alle – die Fähigkeit uns zu regenerieren und wieder glücklich zu werden. Auch und insbesondere innerhalb von Partnerschaften, die wir als (fast) gescheitert betrachten.

Achtsames erzählen und zuhören stärken uns

Wieder mehr über das eigene Innenleben, die Gefühle, die Freuden und Sorgen erzählen zu dürfen und die des Partners zu erfahren, verbindet uns und lässt uns auch die jeweiligen Reaktionen leichter verstehen und einordnen.

Solch eine achtsame Gesprächskultur bringt die Partnerschaft auch in stressigen Zeiten wieder in ruhigeres Fahrwasser und ermöglicht eine gemeinsame Überwindung der Herausforderungen.

Wer macht den ersten Schritt?

Selbstverständlich können Sie darauf warten, bis Ihr Partner oder Ihre Partnerin Ihnen endlich mal wieder richtig zuhört und tatsächlich an Ihren Sorgen und Gefühlen interessiert ist. Doch dann wird nichts aus dem Phönix… Sie werden nur Asche sehen. Ihre Forderung „Sprich nicht so mit mir!“ macht dann alles nur noch schlimmer…

Jeder ist für sein eigenes Leben und seine Zufriedenheit verantwortlich. Dies ist wohl die wichtigste Erkenntnis innerhalb von Partnerschaften.  Daher motivieren wir die Partner in unseren Gesprächen immer dazu, selbst mit der Veränderung zu beginnen und nicht auf den anderen zu warten.

Üben Sie so oft es geht

Die zwei weiter unten vorgestellten Kommunikationsübungen eignen sich für eine ruhige, ungestörte Abendstunde gemeinsam auf dem Sofa. Oder auch an einem “neutralen Ort”, wie ein Café oder ruhiges Restaurant. Auch Bewegung bringt eine neue Gesprächsatmos-phäre. Probieren Sie doch beim nächsten Sonnenschein während eines Spaziergangs durch den Wald oder um einen See diese Übungen einfach mal aus.

Ist Ihre Beziehung schon so verbrannt und vielleicht anschließend auch schon so erkaltet, dass Sie quasi keine gemeinsame Zeit mehr miteinander verbringen, bitten Sie Ihren Partner noch einmal um ein Gespräch. Hierbei geht es nicht um Schuldzuweisungen sondern darum, den gemeinsamen Weg noch einmal zu reflektieren, zu schauen, wann Sie sich fremd geworden sind und wodurch. Nutzen Sie hierfür eine der Übungen oder erwecken Sie gemeinsam in Paartherapiesitzungen Ihre Phönixe aus der Asche. Wir unterstützen Sie sehr gern dabei.

Praktische Übung 1: Achtsames Zuhören in der Beziehung

Die Übung ist sehr einfach und geht so:

Einer spricht. Der andere hört zu. Und fasst am Schluss das Gesagte zusammen.

So einfach, so gut.

Diese Übung hört sich sehr technisch und unpraktikabel an. Das ist sie anfangs vielleicht auch. Wie das Autofahren lernen eines Schaltwagens. Man konzentriert sich genau auf die einzelnen Schritte und schon schnell hat man es raus und schaltet ganz automatisch.  Also steigen Sie in die Übung ein und lernen Sie Ihre Beziehung wieder in Bewegung zu bringen.

So geht`s:

Ein Partner beginnt von sich zu erzählen. Legen Sie anfangs eine konkrete Zeit fest, vielleicht fünf Minuten, in der nur der eine Partner spricht. Erzählen Sie von einem Ereignis, das Sie bewegt, beschreiben Sie Ihre Gedanken und teilen Sie sich ehrlich mit.

In dieser Zeit gibt es keine Nachfragen oder sonstige Unterbrechungen seitens des zuhörenden Partners. Wenn Sie in der Rolle des Zuhörers sind, dann achten Sie bitte darauf, nicht in Gedanken abzuschweifen. Achten Sie auf die Wortwahl, die Gestik und Mimik Ihres Partners während des Sprechens. Schenken Sie ihm Ihre ganze Aufmerksamkeit und nehmen Sie Unterschiede in der Tonlage, die Sprechgeschwindigkeit bewusst wahr.

Nach Ende des festgelegten Zeitraums wiederholt der Partner, der bisher nur zugehört hat, das Gesagte. Das Verstandene soll in eigenen Worten wiedergegeben werden, jedoch ohne wertende Kommentare. Der erzählende Partner kann die Wiedergabe korrigieren oder noch weitere Informationen ergänzen.

Danach werden die Rollen getauscht. Abschließend sollten beide darüber reflektieren, wie sie sich nach der Übung fühlen.

Hinweis: Es geht bei dieser Übung nicht um den Inhalt des Gesprächs, sondern die Wahrnehmung des Erlebens des Partners. Sie wollen sich weder inhaltlich austauschen noch geht es darum, wer recht hat oder im Unrecht ist.

Ziel der Übung: Sie erhalten einen Einblick in das Gefühlsleben Ihres Partners, so dass Sie ihn besser verstehen, was sie / ihn bewegt.

Praktische Übung 2: Dem Partner achtsame Fragen stellen

Die folgende Achtsamkeitsübung ist auch möglich, ohne dass Sie Ihren Partner einweihen:

Legen Sie sich einen Zeitraum fest, vielleicht 15 Minuten und stellen Sie Ihrem Partner Fragen. Die Fragen sollten auf die sinnliche Wahrnehmung und die verbundenen Emotionen abzielen. Beispiel:

  • Was beschäftigt dich momentan?
  • Welches Erlebnis (in der Kindheit/der Jugend / vor Kurzem) beschäftigt dich heute noch?
  • Was war in der Situation schwierig / herausfordernd / traurig / schön für dich?

Geben Sie Ihrem Partner genug Zeit Antworten zu formulieren und üben Sie keinen Druck aus, indem Sie die nächste Frage zu schnell nachschieben.

Achten Sie während des Zuhörens auch hier auf die Veränderung in der Gestik und Mimik Ihres Partners, beobachten Sie die Tonlage, die Sprechgeschwindigkeit und die Körpersprache. Seien Sie neugierig, so als sprächen Sie zum ersten Mal mit Ihrem Partner.

Wenn ich Ihr Interesse an der Achtsamkeit in der Kommunikation geweckt habe, dann finden Sie hier auf unserer Internetseite demnächst weitere Artikel und Seminarangebote  über achtsames Zuhören und wertschätzende Kommunikation innerhalb der Partnerschaft.

 

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Sorgen und negative Gedanken loslassen – aber wie?

Immer und immer wieder denken Sie diesen einen Gedanken. Diesen einen Satz, der sich hin und her dreht, sich immer mehr in Ihrem Kopf festsetzt. Manchmal verschwindet er kurz – aber nur, um dann im unpassenden Moment wieder aufzutauchen. Ihr Bewusstsein spricht ihn immer wieder aus: „Du wirst es nicht schaffen!“

Dieser eine Gedanke verfolgt Sie nun bereits seit einiger Zeit und er wird immer mehr zur Gewissheit: „Du wirst es nicht schaffen!“ Sie schenken diesem Gedanken immer mehr Glauben und gleichzeitig bereitet er Ihnen immer mehr Sorgen. Ja, Sie würden ihn nur zu gern loswerden, doch dazu müsste Ihnen das Leben erst andere Fakten liefern. Alles deutet schließlich daraufhin hin, dass dieser Gedanke wahr ist und Sie letztendlich nur davor bewahren möchte, noch mehr zu leiden.

Einmal gedacht, lässt uns der Gedanke nicht mehr los

Wir alle tragen mehr oder weniger solche oder ähnliche Gedanken mit uns herum. Worte, die uns verunsichern. Sätze, die uns Sorgen bereiten. Und sind Sie erst einmal gedacht, lassen Sie uns nicht mehr los, vervielfältigen Sie sich in alle Richtungen, werden für uns unkontrollierbar.

Diese Sorgen hindern uns daran, einen klaren Gedanken zu fassen, uns zu konzentrieren und wieder positiv in die Zukunft zu blicken. Ganz im Gegenteil. Unsere Fantasie scheint ganz wild darauf zu sein diesen Gedanken, diesen einen Satz in alle möglichen Szenarien zu verwandeln – abwägige und höchst unwahrscheinliche Szenarien. Aber wir glauben an sie. Meist sogar mehr als an die Realität, an das Gute.

„Mein Leben war voll von fürchterlichem Unglück, das gar nicht passierte.“ MICHEL DE MONTAIGNE

Der Kommunikationsforscher und Bestsellerautor Dale Carnegie schrieb einst: „Sich Sorgen zu machen, ist wohl eines der größten Probleme der Menschheit.“ Doch warum fällt es uns so schwer, aus dem Gedankenkarussell auszubrechen? Warum können wir diese negativen Gedanken nicht einfach loslassen? Und warum helfen uns die gut gemeinten Ratschläge wie „Mach dir nicht so viele Sorgen“ nicht weiter?

Warum können wir dem Gedankenkarussell nicht wieder entfliehen?

Negative Gedanken, die sich um unsere Zukunft drehen, tauchen bei jedem von uns mal mehr oder weniger auf. Doch erst wenn wir uns hilflos und ohnmächtig fühlen, wenn wir Angst davor haben, eine falsche Entscheidung zu treffen und dafür anschließend zu zahlen, tendieren wir dazu immer mehr zu Grübeln. Wir machen es uns quasi zur Angewohnheit, immer und immer wieder die Situation gedanklich zu  beleuchten, uns auszumalen, was alles geschehen kann um dann irgendwann endlich eine gute Entscheidung treffen zu können.

Wir glauben, dass das Grübeln uns davor bewahrt die Kontrolle zu verlieren und uns völlig hilflos ausgeliefert zu fühlen. Aber soll das heißen, dass diese Angewohnheit falsch ist? Das wir einfach über unsere Sorgen hinweg gehen sollen und uns keine Gedanken über morgen machen sollen? Nein, das wäre sicherlich nicht sinnvoll. Vielmehr geht es darum zwischen diesen beiden Extremen einen Weg zu finden, der uns hilft, vorsichtig zu sein und dennoch uns auch unsere natürliche Zuversicht nicht beraubt.

Unser Gehirn kann immer nur einen Gedanken gleichzeitig denken

Wenn uns bewusst ist,  dass unser Gehirn nur  e i n e n  Gedanken gleichzeitig denken kann, dann können wir unserem Gehirn – sobald wir bemerken, dass wir uns wieder im Gedankenkarussell bewegen – einen neuen Gedanken vorschlagen. Dies funktioniert wunderbar, da unser Gehirn ähnlich wie eine Suchmaschine funktioniert. Hierbei geben wir eine Frage oder einen Satz ein und erhalten meist unendlich viele Antworten in Form von Suchvorschlägen. Genau so arbeitet unser Gehirn auch. Beim Grübeln geben wir in unserem Gehirn immer wieder unseren Gedanken ein (z.B. „Du wirst es nicht schaffen“ oder „Mein Partner betrügt mich“ o.ä.) und es sucht nach Szenarien, die diesem Gedanken entsprechen – egal ob sie realistisch oder unrealistisch sind.

Gedanken-Googeln hilft auf andere Gedanken zu kommen

Geben Sie stattdessen etwas anderes in Ihre Gehirn-Suchmaschine ein, dann wird es Ihnen genau dafür Suchergebnisse liefern. Probieren Sie es einmal aus. Sie können es Gedanken-Googeln oder Gedanken-Bingen oder wie auch immer nennen. Es funktioniert auf jeden Fall. Stellen Sie Ihrem Gehirn folgende Fragen:

  1. Welches Problem möchte ich lösen?
  2. a) Situationsbeschreibung
    Beschreiben Sie kurz, um welche konkrete Situation es sich handelt:
  3. b) Negative Gedanken ermitteln
    Schreiben Sie als nächstes auf, wie Ihr negativer Gedanke bei dem Thema lautet:
  4. Kreuzverhör
    Lesen Sie sich den Gedanken durch und fragen Sie sich:-Stimmt der Gedanke wirklich?
    -Kann ich mir zu 100 % sicher sein?
    -Warum ist auch das Gegenteil möglich?
    -Wann war es bereits einmal genau umgekehrt?
  5. Warum kann es gelingen?
  6. Wie kann ich es schaffen? Wie würde es X (ein guter Freund, mein Vorbild, mein Vater etc.) schaffen?
  7. Was kann ich jetzt tun?
  8. Wie denke ich jetzt über das Problem?

Unser Gehirn liebt neue Herausforderungen

Sie werden feststellen, dass sich Ihre Gedanken nun verstärkt um die neue Aufgabe drehen. Und zwar beschäftigt sich Ihr Gehirn nicht nur in dem Moment der Eingabe mit der neuen Frage. Es arbeitet auch weiterhin im Hintergrund – wie die Suchmaschine, die sucht, während Sie sich eine andere Internetseite anschauen oder mit einem Textprogramm etwas schreiben. Während Sie also die Kinder zu Bett bringen, einen Film im Fernsehen ansehen oder während Sie schlafen beschäftigt sich Ihr Gehirn weiterhin mit der Frage und sucht nach Ergebnissen. Ok es ist vielleicht nicht so schnell wie eine Internetsuchmaschine, aber es liefert Ihnen garantiert in den kommenden Tagen Ergebnisse. Und zwar durch plötzliche Geistesblitze, durch etwas, was Ihnen in die Hände fällt oder durch einen Satz, den Sie wie zufällig irgendwo lesen.

Lassen Sie sich überraschen, wie zuverlässig Ihr Gehirn für Sie arbeitet. Sie konnten sich bisher auf Ihr Gedankenkarussell verlassen und genau so können Sie sich darauf verlassen, dass Ihr Gehirn neue Herausforderungen liebt und zuverlässig für Sie arbeiten wird… Und werfen Sie Ihre negativen Gedanken bloß nicht über Bord oder löschen Sie gar von Ihrer Festplatte. Sie sind wertvoll und brauchen Ihre Aufmerksamkeit  nur eben nicht ständig und überall. Nehmen Sie sich zum Beispiel jeden Tag 10 Minuten Zeit zum Grübeln. Stellen Sie sich den Wecker und dann lassen Sie Ihren Sorgen freien Lauf. Die Gedanken, die in diesen 10 Minuten entstehen bearbeiten Sie dann wieder mit der oben genannten Vorgehensweise.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg mit dieser Art auf Ihre Sorgen zu reagieren und sich mit ihnen zu beschäftigen. Schreiben Sie mir gern, wie Ihnen dieser Artikel gefallen hat, welche Erfahrungen Sie mit dieser Art des Umgangs mit Ihren Sorgen gemacht haben oder falls Sie ein Thema haben, dass wir hier auf der Seite einmal näher beleuchten sollten. Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Lassen Sie es sich wieder gut gehen …

Kerstin Janzen

Coaching & Paarberatung Kerstin Janzen

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Ich habe doch immer alles getan

Was muss ich denn noch machen, damit ich ein guter Familienvater, Ehemann, Partner bin? Bin ich als Mann, so wie ich bin, überhaupt noch richtig? Ich habe doch immer alles getan, oder?

Diese Fragen tauchen in unseren Gesprächen mit Paaren immer wieder auf. Und da es für die Beziehung wichtige Frage sind, gehen wir ihnen hier einmal näher auf den Grund.

Wie wir Männer uns in unserer Paarbeziehung verlieren können

Wir arbeiten den ganzen Tag in unserem Job um Geld zu verdienen, damit das eigene Haus oder die Wohnung, und all die Rechnungen bezahlt werden können. Und wir sparen, damit vielleicht sogar noch ein wenig Geld für den Urlaub oder die kleinen Freuden des Lebens übrig bleibt. Abgekämpft kommen wir dann nach Hause und begeben uns an den Ausbau oder der Reparatur des Hauses, der Verschönerung des Gartens und verbringen – wenn es die Zeit erlaubt – noch eine halbe Stunde mit unseren Kindern. Danach Essen, die Kinder ins Bett bringen und das war’s für heute. Auf der Couch schlafen wir vorm Fernseher ein. Gemeinsame Gespräche, die unsere Frauen noch gern führen möchten, schaffen wir einfach nicht mehr. Morgen ist ein neuer Tag.

Mal ganz ehrlich. Verbringen wir nicht alle einen großen Teil unseres Lebens auf der Arbeit? Und unser Privatleben, wir selbst bleiben auf der Strecke?

Tag um Tag und Woche um Woche, Monat für Monat leben wir nur noch für den Urlaub oder einen freien Tag in der Woche – wenn überhaupt. Wir gewöhnen uns schleichend an ein Leben, das wir doch so gar nicht wollten. Natürlich gehören der Job und auch wiederkehrende Verpflichtungen und Abläufe zum Leben dazu. Schließlich brauchen wir alle auch Sicherheit und so etwas wie Berechenbarkeit. Gut tun sie uns dann, wenn… ja wenn diese wiederkehrenden Abläufe und Verpflichtungen oder auch unser Job uns stärken. Wenn wir positive Kraft daraus ziehen können. Genau das gilt auch für unsere Partnerschaft. Sie soll uns Sicherheit geben und wir wollen unsere Kraftreserven in ihr auftanken.

In der Anfangsphase klappt das auch wunderbar. Wir schreiben uns kleine Liebesbotschaften oder umarmen uns voller Freude, endlich wieder bei diesem wundervollen Menschen sein zu dürfen. Wir genießen vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen die kurzen Momente des sich aneinander Kuschelns.

Doch mit der Zeit werden wir für diese Aufmerksamkeiten immer unachtsamer und freuen uns irgendwann nicht mehr über diese kleinen Geschenke der Liebe. Sie werden zur Normalität oder vielleicht empfinden wir sie auch als kitschig oder kindisch. Schließlich wollen wir „unseren Mann“ stehen und der Welt und unserer Frau zeigen, dass wir keine Weicheier sondern echte Männer sind. Folglich stellen wir – und meist kurze Zeit später auch unsere Partnerin – diese  Aufmerksamkeiten ein. Der Alltag wird immer trister und grauer, aber so ist das Leben eben. Das wird sich schon auch irgendwann wieder geben…

Klar, wir sind in kurzen Momenten vielleicht auch mal traurig darüber. Sagen aber lieber nichts. Wir ahnen ja auch nicht, dass diese fehlenden kurzen „Tank- und Raststopps“ uns so schaden könnten…

Bei manchen Partnerschaften geht es noch Jahre so weiter, andere Partnerschaften werden schneller auf den Prüfstand gestellt. Spätestens wenn wir Männer die ersten Vorwürfe zu hören bekommen: „Du liebst deine Arbeit mehr als mich!“ oder „Du bist immer nur erschöpft“ sollte unsere rote Warnleuchte anspringen: Zeit für eine Inspektion. Zeit inne zu halten und unser Beziehungs-Navi zu überprüfen. Bringt es uns noch wirklich zu unserem gemeinsamen Ziel? Oder hat es längst unsere gemeinsamen Beziehungs-Ziele durch die anderer Menschen z.B. unserer Chefs, unserer Freunde, der Gesellschaft ersetzt und gespeichert? Ist die Kritik unserer Frauen vielleicht nicht ganz unberechtigt?

Was tun wir? Durch die Vorwürfe fühlen wir uns gekränkt, denn schließlich rackern wir uns ja für die Familie ab!

Mal ganz ehrlich… wenn unsere eigene Frau keinen Sex mehr mit uns haben will, wenn sie vielleicht sogar beginnt mit der Trennung zu drohen, dann endlich dämmert`s vielleicht auch uns Männern. Dann beginnen wir uns zu fragen, wann wir Zeit für uns selbst haben, für unsere Beziehung, für all das was uns mal Spaß gemacht hat und uns früher gemeinsam mit unserer Frau so wichtig war?

Statt jedoch mit ruhigem Kopf rational gemeinsam zu überlegen, was wir in Zukunft anders, besser machen können, welchen Weg wir uns bewusst gemeinsam suchen und welche Ziele wir beide zusammen erreichen möchten, kontern wir gesteuert von unseren Emotionen: „Was soll ich denn noch alles machen?“, „Du bist doch hier diejenige, die Zeit hat sich mit Freundinnen zu treffen, sich mit den Kindern auf dem Spielplatz eine schöne Zeit zu machen!“

Eine Paarbeziehungen ist nicht etwas, das von selbst funktioniert

Wenn wir selbst unausgeglichen sind und nicht für uns sorgen, dann kommt irgendwann die Zeit, da reicht unsere Kraftstoffreserve nicht mehr aus. Dann sind wir „auf“ und unsere Emotionen übernehmen die Regie: wir fragen uns erbost, ob wir nicht ein bisschen Ruhe und Rücksicht verdient haben? Wir haben uns doch schließlich aufgeopfert für die Frau, die Kinder, die Eltern, vielleicht auch sogar noch für die Freunde.

Unsere Partnerin hat sich inzwischen irgendwie von uns weg entwickelt und nennt das selbst „persönliche Weiterentwicklung“. Naja, schließlich hatte sie ja auch Zeit! Dagegen ist unser Leben an uns vorbei gelaufen. Pech gehabt!

Hand auf`s Herz, ist das wirklich so? Verlieren wir Männer, wenn wir nicht gut aufpassen, unser privates Leben, unsere eigene persönliche Weiterentwicklung und die als Paar einfach schneller aus den Augen als unsere Frauen? Ist das überhaupt so wichtig?

Leider stellen wir uns diese Fragen meist erst wenn sich unsere Partnerschaft und damit unser Leben schon in einer Schieflage befindet und unsere Frau nicht mehr will oder nicht mehr kann.

Erst dann fragen wir uns, wie all das passieren konnte, obwohl wir doch alles für die Familie getan haben. Bei anderen läuft es doch auch. Warum nicht bei uns?

Unsere Bedürfnisse und Prioritäten ändern sich

Prioritäten verändern sich wenn Lebensumstände sich verändern (z.B. wenn Kinder dazu kommen, ein Partner krank wird oder wir unseren Job verlieren). Wir fühlen uns zu Hause nicht mehr wohl, und fügen uns schnell unserem Schicksal. Dieses Fügen sieht dann meist so aus, dass wir eben etwas länger im Büro bleiben, uns häufiger mit unseren Kumpels verabreden und uns beziehungsweise unserer Partnerschaft gegenüber immer nachlässiger werden.

Eine Partnerschaft lebt u.a. von gemeinsamen wertvollen Momenten, von gemeinsamen Unternehmungen. Sie bleibt lebendig durch Zeit für und mit dem Partner, Zeit für Nähe und Sexualität, Zeit für gemeinsame Unternehmungen und vor allem auch für ehrliche Gespräche.

Wir sollten uns viel öfter Zeit FÜReinenader nehmen. Zeit, in der wir uns in Ruhe darüber austauschen können, was wir beide anders machen können. Was sich unsere Partnerin von uns wünscht, was ihr fehlt und wie es uns mit ihr geht… Jetzt, wo Deutschland während der Fußball-WM bereits in der Vorrunde ausgeschieden ist, nutzen wir doch die frei gewordene Zeit für einen eigenen Beziehungs-Neustart.

Und auf die beiden Fragen vom Anfang gibt es eine ganz klare Antwort. Sie müssen nicht noch mehr für Ihre Partnerschaft, für Ihre Familie tun! Besinnen Sie sich vielmehr wieder auf das, was IHNEN wirklich gut tut und tun Sie es dann auch! Sobald Sie nicht mehr nur noch funktionieren, sondern wieder auf das achten, was Sie und Ihre Frau wirklich brauchen, beruhigen sich auch die Emotionen auf beiden Seiten. Wut und Ärger sind Hinweise darauf, dass wir unsere Bedürfnisse nicht genug beachten. Und Ihr Bedürfnis nach Nähe und Verständnis erreichen Sie nicht durch noch mehr vom Gleichen. Besinnen Sie sich auf Ihre Anfangszeit zurück. Was haben Sie da anders gemacht? Und wenn Sie das wissen, dann probieren Sie es wieder aus. Auf geht`s!

Unser Praxistipp:

Schreiben Sie Ihrer Partnerin einen Brief aus der Zukunft. Versetzen Sie sich in Ihrer Fantasie einige Wochen oder Monate weiter. Beschreiben Sie, wie und wodurch sich Ihre Beziehung wieder positiv und erfüllt anfühlt. Wie Sie dort hingekommen sind, welche Schritte Sie allein und welche Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin unternommen haben. Erzählen Sie in diesem Brief Ihrer Partnerin davon, welche wunderschönen Möglichkeiten darauf warten, von Ihnen gemeinsam noch gelebt zu werden. Und bedanken Sie sich am Ende des Briefes für die bisherigen schönen Zeiten, die Geduld Ihrer Partnerin in den schwierigen Zeiten und das Vertrauen, dass Ihre Frau in Sie bisher gesetzt hat. Dann überreichen Sie den Brief Ihrer Frau oder schicken Sie ihn ganz oldschool einfach per Post. Probieren Sie hier ruhig etwas unerwartetes, neues aus. Das zeigt, dass Sie bereit sind die eingefahrene Strecke zu verlassen und neues zu wagen!

Wir wünschen Ihnen dafür Mut, Vertrauen in und Neugier auf eigene, auch ungeahnte Möglichkeiten und Potenziale. Wir wünschen Ihnen Wohlwollen angesichts eigener Fehler und der Fehler Ihrer Frau und wieder mehr qualitative Zeit für Sie und Ihre Partnerin.

Lassen Sie es sich wieder gut gehen…

Ihr Jörg Janzen

Coaching & Paarberatung Kerstin Janzen

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